Mit einem YouTube-Video zum Job: David Lebuser im Interview

Ein Bild von Rollstuhlskater David Lebuser beim Skaten.
David Lebuser, Reha-Fachberater und Rollstuhlskater (Foto: Anna Spindelndreier)

David Lebuser, 33, amtierender Deutscher Meister im Rollstuhl-Skating (WCMX) und ehemaliger Rollstuhlskater-Weltmeister, sitzt seit einem Unfall im Alter von 21 Jahren im Rollstuhl. Lebuser arbeitet als Reha-Fachberater in Hamburg. Mit seiner Partnerin Lisa Schmidt gründete er das Projekt Sit’n’skate und veranstaltet Workshops und coole Aktionen mit Rollstühlen. Sein Ziel: Destroying Stereotypes! Nun unterstützt er das Pilotprojekt Video-Bewerbungen „ganz schön anders ins Arbeitsleben“ für junge Leute mit Förderbedarf.


Mit einem YouTube-Videos zum Job

Interview mit David Lebuser über die Höhen und Tiefen der Jobsuche als Rollstuhlfahrer.

Erinnerst Du Dich noch an Deine Jobsuche nach dem Unfall? Welche Erfahrungen hast Du als Rollstuhlfahrer gemacht?
David Lebuser: Vor meinem Unfall absolvierte ich eine Maler- und Lackierer-Ausbildung und arbeitete später in einem Callcenter. Als ich im Rollstuhl saß, schlug mir die Rentenversicherung vor, dort weiterzuarbeiten. Ich suchte aber nach etwas Neuem und wollte eine Umschulung machen. Die Agentur für Arbeit bot mir verschiedene Umschulungen zu kaufmännischen Berufen an. Schließlich wählte ich den Informatikkaufmann. Das schien mir die Ausbildung mit den besten Chancen und den interessantesten Job-Perspektiven.  

Und stimmte das?
David Lebuser: Nein. Obwohl ich die überbetriebliche Umschulung als Jahrgangsbester der gesamten Region abschloss, bekam ich keinen Job und nur selten eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Wie hast Du Dich beworben?
David Lebuser: Ich schrieb unglaublich viele Bewerbungen. In der Bewerbung stellte ich meine Querschnittslähmung ausführlich dar. Und betonte gleichzeitig, dass ich viel Sport treibe, Rollstuhl-Basketball spiele und mit dem Rollstuhl skate. So wollte ich den Arbeitgebern zeigen: Hey, seht her, der Rollstuhl schränkt mich gar nicht ein. Diese Strategie blieb allerdings ohne die gewünschte Wirkung. Trotz meiner Offenheit bekam ich kaum Einladungen zu einem Vorstellungstermin.


Weißt Du noch, wie viele Bewerbungen Du abgeschickt hast und wie viele Einladungen zu Gesprächen Du bekommen hast?
David Lebuser: Gefühlt waren das zwei Vorstellungsgespräche bei insgesamt mehr als 50 Bewerbungen.

Was denkst Du, woran lag das?
David Lebuser: Ich glaube, das lag an den Vorurteilen gegenüber behinderten Menschen. Viele Arbeitgeber befürchten, dass behinderte Menschen häufiger krank sind als andere. Dass sie sich weniger gut artikulieren können. Dass sie nicht überall im Betrieb einsetzbar sind, kurzum dass es im beruflichen Alltag einfach viele Probleme mit ihnen gibt oder geben könnte.

Wie hast Du auf die Absagen reagiert?
David Lebuser: Testweise erwähnte ich meine Querschnittslähmung in einigen Bewerbungen nicht mehr. Und siehe da, plötzlich bekam ich Einladungen zu Gesprächen. Bei gefühlt fünf von zehn Bewerbungen, in denen ich den Rollstuhl verschwieg, luden mich Unternehmen ein. Allerdings entstanden dadurch neue Probleme.

Welche?
David Lebuser: Vor Ort stellte sich heraus, dass die Firmen nicht barrierefrei waren. Das heißt: Weil es unüberwindliche Treppen gab, kam ich nicht in das Gebäude zum Vorstellungsgespräch. Manche Arbeitgeber waren richtig sauer, dass ich den Rollstuhl sozusagen unterschlagen hatte. Andere reagierten unbeholfen oder waren verwundert, dass plötzlich ein Bewerber im Rollstuhl vor ihnen saß. Kurzum: auch diese Bewerbungsstrategie war vergebens. Niemand gab mir eine Chance.

Wie kamst Du doch noch an einen Job?
David Lebuser: Witzigerweise lief das über meine Skate-Videos, die ich auf YouTube präsentierte. Ein Fachanbieter von Rollstühlen sah sie und rief mich eines Tages an. Und meinte zu mir: Genau dich brauche ich in meiner Firma. Er suchte für sein Unternehmen nach Experten, die Menschen kompetent beraten konnten, die einen Rollstuhl benötigten. Bis heute arbeite ich als Reha-Fachberater, zurzeit für das Sanitätshaus „4Ma3Ma“ in Hamburg, das sich auf Rollstühle für Kinder spezialisiert hat.

Was glaubst Du, was können Video-Bewerbungen leisten, was klassische Bewerbungen mit Anschreiben und Zeugnissen nicht können?
David Lebuser: Mit einer Video-Bewerbung können sich junge Leute gleich mit ihrer gesamten Persönlichkeit bewerben. Ein Video, finde ich, sagt mehr aus als tausend Worte oder die Noten auf dem Zeugnis. Vorurteile über behinderte Menschen lassen sich mit einem Video direkter begegnen oder sogar ausräumen. Das schafft eine klassische Bewerbung per E-Mail oder Post nicht.

(Foto: Anna Spindelndreier)